Seltene Orchideenarten, Edelweiß, Trüffel? Fehlanzeige. Wer das Teuerste sucht, was die Flora zu bieten hat, liegt beim Schimmelpilz richtig - leider. Denn eine Freude oder eine Zierde sind Mikro-Gewächse bestimmt nicht. Anfangs machen sie durch häßliche Flecken und muffigen Geruch auf sich aufmerksam, später kommen tiefgehende Schäden an der Bausubstanz von Gebäuden und an der Gesundheit von Bewohnern hinzu. Das kostet jedes Jahr Milliarden - Tendenz steigend: Experten gehen davon aus, dass der Befall in den letzten 20 Jahren um 20% zugenommen hat.


Was sind Schimmelpilze?

Genau genommen sind "Schimmelpilze" eine Sammelbezeichnung für eine Vielzahl unterschiedlicher Pilzarten. Ihre wichtigsten ökologischen und morphologischen Merkmale sind:

  • Sie gedeihen weltweit in allen Klimazonen
  • Ihr Lebensraum ist der Boden oder konzentrierte Nährlösungen
  • Sie haben als Erstbesiedler eines Substrats nur wenige Konkurrenten
  • Sie gewinnen ihre Nährstoffe aus abgestorbenen organischen Substanzen, die sie dabei zersetzen
  • Sie vermehren sich überwiegend ungeschlechtlich durch Sporen, die dann möglichst schnell wieder neue Nährböden besiedeln.

Entgehen kann man Pilzen nirgends: Sporen und Hyphen, die Grundstrukturen, umgeben uns überall in riesigen Mengen. In Innenräumen sind sie fast unzerstörbar, weil sie Temperaturen zwischen 0° und 50° Celsius unbeschadet überleben. Eine entsprechende Anhebung oder Absenkung würde nun wieder den menschlichen Bewohnern nicht gut bekommen. Aus demselben Grund verbietet sich der Einsatz "Chemischer Keulen", der nicht nur ungesund, sondern auch nur sehr kurzfristig wirksam ist.
 

Schimmelpilz: Alles zersetzend


Die Fähigkeiten zur Zersetzung richtet im menschlichen Umfeld viel Schaden an. Das beruht im wesentlichen auf zwei Vorgängen:

1. Chemische Prozesse: Der Pilz nutzt das Material oder einen Teil davon als Nährsubstrat, er löst es dabei auf. An Celluloseprodukten (Holz, Papier, Textilien), einem der häufigsten organischen Verbindungen in der Natur, ist dies besonders häufig zu beobachten. In anderen Fällen wandern Stoffwechselprodukte, z. B. Pigmente in ein Produkt ein, die Folgen sind dann Verfärbungen, oder es entstehen Giftstoffe (Mycotoxine).

2. Physikalische Prozesse: Hier beruht der Schaden auf der Anwesenheit des Pilzgeflechts (Mycel) selbst. Ein Mycelgeflecht kann derart dicht sein, dass selbst in elektrischen Geräten Isolierungen unwirksam werden und Kurzschlüsse auftreten.

Ob Bücher, Kartons oder sogar widerstandsfähigeres Material wie Wolle oder Leder: Bei entsprechender Feuchtigkeit werden Pilze mit jedem Naturprodukt fertig.

Auch Kunststoffe und Gummi sind dagegen nicht gefeit. Zwar können Pilze die reinen Polymere wie Polythyle, Polypropylen oder Polystyrol nicht abbauen. Aber die meist zugesetzten Weichmacher, Emulgatoren, Füllstoffe , Gleitmittel u. a. dienen wieder als Nährstoffe. Darunter leiden Reiß-, Zug-, und Biegfestigkeit, Elastizität und Isolierwirkung lassen nach. An Häusern sind davon neben Tapeten und Stoffen (Verfärbungen von grau bis schwarz) vorzugsweise Dehnungsfugen oder synthetische Fußbodenbeläge betroffen. Glas, mineralische Baustoffe (Stein) und Metalle sind zwar in reiner Form immun, doch Ablagerungen von Staub, Fett etc. bietet auch hier wieder eine ausreichende Nahrungsgrundlage. Pilze scheiden Stoffwechselprodukte und Säuren aus, dadurch verätzen Glasflächen, Metall korrodiert, Stein wird zersetzt.