Wie mit einer effektiven Innendämmung Sanierungserfolge zu erzielen sind, zeigt ein Beispiel von Großbauten aus den grauen 50ern. Eine Expertenbefragung zu den technischen Hintergründen.
Von Wohnraum- und Werterhaltung einmal abgesehen: Denkmalschutz setzt aktiv Zeichen für ein waches Geschichtsbewußtsein. Konsequenterweise gilt das auch für Epochen, in denen kaum Erhellendes zum Weltgeschehen beigetragen wurde, wie beispielsweise die düstere Stalin-Ära. Der geltungssüchtige Georgier ließ zu seinem Ruhme einen Baustil mit einer beunruhigend- beeindruckenden Anmutung entwerfen. In der DDR der 50er Jahre fand dieser imposante Neoklassizismus vielfache Nachahmung, unter anderem auch in Eisenhüttenstadt (früher Stalin-Stadt). Jahrzehntelange Aggressionen von Feuchtigkeit und Luftverschmutzung bedrohten dort die steinernen Zeitzeugen in zunehmendem Maße - Zeit für eine angemessene Sanierung. Aufriß sprach über Feuchteschutz-Maßnahmen im allgemeinen und das anspruchsvolle Projekt im besonderen mit einem Experten vor Ort: Dr. Jürgen Vocke, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Bautrocknungs- und Bautenschutzgewerbe.
Aufriß: Herr Dr. Vocke, bei einer Sanierung großen Maßstabs wie in Eisenhüttenstadt: Aus welchen Gründen konnte auf eine Außendämmung verzichtet werden?
Dr. Vocke: Natürlich hat eine von außen angebrachte Dämmung immer Vorrang, weil so leichter Wärmeverluste einer Vielzahl von Wärmebrücken vermieden oder reduziert werden können. Aber es gibt in der Praxis viele Fälle, in denen auf eine Innnendämmung zurückgegriffen werden muß: Da wäre zunächst einmal die Optik, Stichwort Denkmalschutz. Es gibt aber auch pragmatischere Gründe. In Innenstädten sind es häufig fehlende Grenzabstände zwischen Gebäuden oder andere Zugangsprobleme, die eine Arbeit an der Fassade nicht zulassen. Oder aber Kellerräume werden ausgebaut und im Zuge einer dauernden oder nur sporadischen Nutzung soll das Raumklima verbessert werden. Ein weiterer, häufiger Fall: Einzelne Mieter möchten in Selbsthilfe den Wärmekomfort ihrer Wohnung verbessern, ohne die Fassadensanierung des Vermieters abwarten zu wollen.
Aufriß: Innendämmung ist also so etwas wie die schnelle Notlösung?
Dr. Vocke: Nein, deutlich mehr als das, vor allem, wenn man den Kostenaspekt bedenkt. Zunächst mal lassen sich Transmissions-Wärmeverluste per Innendämmung durchaus auf ein akzeptables Maß verringern, auch mit Blick auf die Wärmeschutzverordnung. Zweitens: Bei wechselndem Heizbetrieb in sporadisch genutzten Objekten, zum Beispiel in Kirchen oder öffentlichen Gebäuden, wird durch rasches Aufheizen eine Energieeinsparung möglich. Drittens: Innendämmung ist die gezielte Wärmedämmung einzelner Fassadenbereiche, Wände oder Räume. Viertens: Man spart logischerweise die Einrüstung der Fassade. Fünftens: Auch der Laie kann unter sachkundiger Anleitung Eigenleistung erbringen. Fachleute sind allerdings dann gefragt, wenn es um die Konzeption geht, d.h. Brand- und Schallschutz-, Temperatur- und Feuchteverhalten im Zusammenhang mit dem veränderten Wandaufbau.
Aufriß: Demnach gibt es auch kritische Aspekte bei der Innendämmung?
Dr.Vocke: Hier sind vier Hauptpunkte zu nennen:
- Dämmstoffe mit hoher dynamischer Steifigkeit führen aufgrund von Resonanz- und Flankenübertragungseffekten zur Verschlechterung der Schalldämmung.
- Im Jahresmittel verzeichnen ausschließlich innengedämmte Räume stärkere Temperaturschwankungen über den Wandquerschnitt. Das bringt ein tieferes Eindringen der Frostgrenze mit sich, was die Rohrleitungen unter der Dämmung gefährdet.
- Das Wärmebrückenproblem wird komplexer.
- Bei Verwendung diffusionsoffener Dämmstoffe und innenseitiger Dampfsperren ergeben sich schnell ernsthafte Schäden: wegen mangelhafter Ausführung und Detailproblemen, etwa bei den Anschlüssen und Verletzung der Dampfsperre, z. B. durch Befestigungen oder Nägel.
Werden diese Faktoren und die Planung vernachlässigt, ist die Effektivität der Arbeiten in Frage gestellt. Aber man muß unterscheiden: Die genannten Kritikpunkte treten besonders bei den »althergebrachten« Innendämmsystemen wie Verbundplatten, Dämmplatten aus Polyurethanschaum, Mineralwolle, Dampfbremspappen usw. zutage. Die neueren Systeme wie die Getifix Klimaplatte oder Wärmedämmputze bieten weniger Verabeitungsprobleme, besseres Handling und darüber hinaus weitaus günstigere Werte, etwa beim Thema Schall- und Brandschutz.
Aufriß: Zurück zum Objekt Eisenhüttenstadt: Welchen Verlauf nahmen die dortigen Arbeiten?
Dr. Vocke: Das mit der Sanierung beauftragte Ingenieurbüro vor Ort hat sich an Getifix gewandt, weil man Unterstützung brauchte. Es ging vor allem darum, ein verbessertes energetisches Verhalten zu gewährleisten,und das auf immerhin 50.000 Quadratmetern; ohne das ganze Gebäude in ein Wärmedämmverbundsystem einzupacken. Schließlich weist der klassizistische Baustil mit den typischen vorspringenden Arkaden dort viele interessante und erhaltenswerte Details auf, die bei einer Veränderung verlorengehen würden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte der notwendige Einbau von Wärmeschutzverglasung und neuem Heizungssystem allein schnell zur Oberflächenkondensation geführt - und damit zu der Gefahr von Schimmelpilzbefall. Hier bot sich die thermische Sanierung mit kapillaraktiver Innendämmung, sprich die Verwendung der Getifix Klimaplatte an. Nachweisrechnungen bestätigten die Richtigkeit dieses Schrittes.
Aufriß: Können Sie dazu Einzeheiten nennen?
Dr. Vocke: Es wurde festgestellt, dass die Klimaplatte eine Senkung des k-Wertes an der Außenwand von 1,4 W/(m2 k) auf 0,62 W/(m2 k) mit sich brachte. Die Gesamtkondensatmenge blieb weit unter dem erlaubten Grenzwert. Das gilt auch für den Innenwand- und Deckenanschluß, sowie für die gesamte Raumoberfläche: Auch hier gab es kein Tauwasser und eine vergleichbar niedrige Kondensatmenge. Im Gebäudewinkel dringt allerdings Frost fast bis zur Innendämmung vor. Dies war bei der Verlegung der Rohrleitungen aber schon berücksichtigt worden. Insgesamt betrachtet entsprachen die Ergebnisse der anfangs genannten Zielsetzung voll und ganz.
Aufriß: Lassen sich diese Ergebnisse noch optimieren?
Dr. Vocke: Ja, durch eine Kombination aus kapillarer Innendämmung und Dämmputz, etwa bei denkmalgeschützten Fassaden, die ohnehin erneuert werden müssen. Diese Variante führt zu einem Wärmedurchgangswert um die 0,5 W/(m2 k), das ist fast Neubau-Niveau. Die integrale Kondensatmenge ist noch geringer und der Frost bleibt weitestgehend draußen. Unseren Mess- und Erfahrungswerten nach eine sehr empfehlenswerte Lösung.
Aufriß: Herr Dr. Vocke, vielen Dank für das informative Gespräch.


